SPEX No. 383: Neneh Cherry – Unbreakable Nov/Dez - Ausgabe 2018 – inklusive der SPEX-CD 146

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SPEX No. 383 Neneh Cherry – Unbreakable

TITEL
NENEH CHERRY: „Erinnerung ist ein wilder Hund an der Leine“
Text – Tobi Müller
Fotografie – Ansgar Sollmann
Am Ende flucht Neneh Cherry doch wieder wie eine Kesselflickerin. Eigentlich wollte sie mit Broken Politics, ihrem zweiten Album nach langer Karrierepause, etwas Schönes in die Welt setzen. Im Gespräch und auf der Platte zeigt sich aber: Für schlichte Postkartenschönheit ist die Rap- und Soul-Pionierin auch 29 Jahre nach ihrem Debütalbum Raw Like Sushi noch immer nicht zu gebrauchen. Stattdessen appelliert Cherry mit offenen Hallräumen, verzwickten Four-Tet-Beats und virtuosem Vibrafon an unseren kollektiven Spirit – um dabei zu erkennen: Wir alle müssen deeper diggen.

MUSIK

SOAP & SKIN: Selfies aus dem Jenseits
Text – Jennifer Beck
Fotografie – Crystin Moritz
Anja Plaschg hat keine Kippen mehr, aber einen Plan: überleben. Nach zehn Jahren im Sarg hat Wiens talentierteste Schweigerin Schuhe angezogen, um über From Gas To Solid / You Are My Friend zu sprechen, das dritte Album ihres Projekts Soap & Skin. Im Park. Was bleibt, wenn Österreichs letzter Pop-Mythos stirbt? Krepierende Tiergeräuschekeyboards, ein fünfteiliges survival kit und Antworten in vollständigen Sätzen.

JENS FRIEBE: „Musiker interessiert am Theater, dass es dort noch Geld gibt“
Text – Maximilian Sippenauer
Fotografie – Andrea Vollmer

Auf Jens Friebes neuer Platte Fuck Penetration ist manches gleich und vieles anders. Etwa die musikalische Showtreppe, auf der feministische und sowjetische Utopist_innen sowie gebeutelte Schreiberlinge marschieren. Zum Interview verabreden wir uns in einer Kneipe am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg. Weil dort aber dienstags Bingo ist, wandern wir ins nächste Loch. Schweigend. Kein großer Kleinredner, der Friebe. Dafür ein Mann mit Visionen.

SLOWTHAI: Der Brexit-Bandit
Text – Dennis Pohl
Fotografie – Axel Hoedt
Slowthai ist der spannendste Rapper Englands. Mit einem Ruhepuls von 200 und zu halsbrecherischen Grime-Beats schleudert er bissige Außenseitergeschichten in die Welt, die wie eine Vertonung des nahenden Weltuntergangs klingen. Was verrät einem der Erfolg dieses Mannes aus Northampton über den Zustand der Insel? Wahrscheinlich mehr, als man wissen möchte.

Vorspiel für ... JULIA HOLTER: „Kunst entsteht durch das Sammeln von Dingen“
Text – Kristina Kaufmann
Fotografie – Fredrik Altinell

Das neue Album von Julia Holter heißt Aviary, also Vogelhaus. Flugzeugträger wäre auch ein guter Titel gewesen. Mit 15 meist langen und wahnsinnig beladenen Stücken beamt die Songwriterin aus Los Angeles ihre schon immer kunstfertige Musik in bisher ungekannte Dimensionen. Die Grenzen zwischen Pop und Klassik, Idee und Zitat verschwimmen – bis man sich nur noch mit den Songs anderer Leute helfen kann. So wird das Vorspiel zum Streifzug durch Vorlagen und Favoriten, mittelalterliche Musiktheorie, imaginäre Alter Egos und flauschige Büschel aus irgendwas.

LONNIE HOLLY: Das große Ganze
Text – Ester Cara
Fotografie – Max Eremine
Lonnie Holley war schon 29 Jahre alt, als er zur Kunst kam. In den 40 Jahren danach hat er beinahe jede Disziplin nachgeholt: Bildhauerei, Malerei, Fotografie, Performancekunst und immer wieder auch Musik, zu der er nun mit seinem freiförmigen dritten Album Mith zurückkehrt. Zwischen Jazz-Ahnung und gefundenen Sounds beschwört Holley ein Amerika der Albträume herauf, das bei Tageslicht betrachtet nur noch schlimmer erscheint.

MOLLY NILSSON: Die falsche Utopie
Text – Coco Brandl

Fotografie – Silvia Conde
Wilder Gedanke: optimistisch in die Zukunft blicken. In Molly Nilssons Gegenentwurf zum Zynismus unserer Tage sind die Nächte bunt beleuchtet und die besten Pop-Songs wie ein trauriges Gespräch unter Freund_innen, nach dem man sich besser fühlt. Der ultimative Utopietrick ihres neuen Albums Twenty Twenty: mit Horoskopen gewinnen.

CAT POWER: Gitarren und andere Erbstücke
Text – Philipp Kressmann
Fotografie – Eliot Lee Hazel

Auf der Zehnerskala für abgefucktes Auftreten gab sich Chan Marshall zuletzt selbst eine elf. Mit ihrem jüngsten Album Sun brachte sie es zwar in ungeahnte Chartshöhen, doch skurrile Interviews und Konzerte sowie eine seltene Erkrankung des Immunsystems begleiteten die Veröffentlichung der ersten Elektro-Pop-Platte von Cat Power. Nun kehrt Marshall zurück und schwört, nur noch auf die eigene Stimme zu hören. Ihr zehntes Album Wanderer ist eine Studie in Sachen Selbstachtung.

THE 1975: Immer schön ultra
Text – Friedrich Kühne
Illustration – Patrick Klose

Ob Matthew Healy ein Weinglas hebt oder eine Pride-Flagge hisst: Am Ende tobt die Menge. Auf der Suche nach geradlinigen Erzählungen im Zeitalter der zerstückelten Geschichten landen immer mehr Menschen im Schoß seiner Band The 1975. Um die Emo-Updater aus Manchester hat sich ein ultramoderner Fankult entsponnen – weil sich Healy und Co. mit Ironie, Überzeichnung und progressiver Unverbindlichkeit geschickt aus der Affäre ziehen.

PUCE MARY & YVES TUMOR: Nichts, wie es scheint
Text – Nadine Schildhauer
Collage – Jorge Chamorro
Die Gegenwart zeigt: Mit faschistoiden Parolen lassen sich wieder Massen mobilisieren, nicht nur in Ostdeutschland. Umso wichtiger erscheint deshalb Musik, die ganz auf Parolen und geografische Verortung verzichtet. Auch ohne erklärende Worte spricht aus den neuen Alben von Puce Mary und Yves Tumor eine Sehnsucht nach aufgelösten Grenzen – zwischen Noise und Pop sowie Individuum und Gesellschaft.

ROBYN: „Musik kann keine Therapie ersetzen“
Text – Diana Weis
Illustration – Patrick Klose

In Krisenzeiten ruft der Dancefloor, auch deshalb war neue Musik von Robin Carlsson überfällig. Als Robyn rüstete die Produzentin, Songwriterin und Sängerin aus Stockholm den Elektro-Pop seit den frühen Neunzigern mit Glamour und Eigensinn aus, bis sie nach der Veröffentlichung des Albums Body Talk im Jahr 2010 jäh verstummte. Nun erscheint ihre neue Platte Honey und rät zur körperlichen Ertüchtigung – im Club und auf der Meditationsmatte.

GEORGIA ANNE MULDROW: Von uns für uns
Text – Daniel Gerhardt
Fotografie – Dane Peterson
Harmonische Thanksgiving-Dinner, frisch geschmierte Pausenbrote und bedingungslose elterliche Unterstützung: All das gibt es eher selten in Familien, die noch vor 150 Jahren vor Sklaventreibern geflüchtet sind. Mit ihrem neuen Album Overload untersucht Georgia Anne Muldrow die Auswirkungen vererbter Traumata auf heutige schwarze Lebensrealität. Die Musikerin aus Las Vegas versteht sich als Bewahrerin des Soul – und durchaus gewaltbereite Revolutionärin der Selbstliebe.

KOLUMNEN

Abgrund & Oberfläche
Diana Weis durchschaut die Styles der Styler
Bandanarama

Fatma Morgana
Fatma Aydemir folgt ihrer imaginären Freundin in die Parallelgesellschaften
Spaßverderberin aus Überzeugung

Selbstkritik
Frank Witzel über die Grauzone, in der das Eigene aufhört und das Andere beginnt

Das deutsche Kettensägenmassaker, Teil 2

Wie wir leben wollen No. 17
Vorwurf als Wunschvorstellung
Text – Danijel Majić

Für die Frankfurter Rundschau berichtet Danijel Majić aus dem Rhein-Main-Gebiet. Das bedeutet viel Kontakt zu AfD und Identitären, aber aufgrund seiner Herkunft auch immer wieder Anfeindungen von der kroatischen extremen Rechten. Hier erklärt Majic, wie sich deren Presseorgane professionalisiert und im kroatischen Mainstream eingenistet haben. Was gibt es daraus zu lernen? Und dagegen zu tun?

PERFORMANCE 

YOSHIKO CHUMA: Verborgene Wege
Text – Christine Matschke

Fotografie – Fredrik Altinell
Lässt sich Kunst planen? Wahrscheinlich genauso gut oder schlecht wie das Leben selbst. Bei Yoshiko Chuma hängt beides unmittelbar zusammen. Mit ihren Arbeiten überschreitet die New Yorker Choreografin Genregrenzen von Film, Tanz, Theater, Musik und bildender Kunst. Ein magischer Kurztrip durch 35 Jahre bedingungsloses Künstlerinnen-Dasein.

LITERATUR

Kathleen Collins: Klebstoff der Einsamkeit
Text – Annika Reith
Fast drei Jahrzehnte lagen die Kurzgeschichten der afroamerikanischen Filmemacherin und Autorin Kathleen Collins in einer Truhe, bevor ihre Tochter sie entdeckte. 2016 posthum in den USA veröffentlicht, trifft Whatever Happened To Interracial Love? noch immer einen Nerv. Collins' Tochter findet in den Erzählungen über die Komplexität von Beziehungen im Zeichen von race, class und gender vor allem Antworten auf Fragen ihrer eigenen Biografie. Jetzt erscheint der Kurzgeschichtenband unter dem Titel Nur einmal in deutscher Übersetzung.

FILM

4 BLOCKS: Sauber werden und gut gehen lassen
Text – Arno Raffeiner
Freund verloren, Frau abgehauen, Bruder im Knast. Toni Hamady ist ein einsamer König, aber die Serie rund um ihn und seinen libanesischen Clan in Berlin-Neukölln gilt als Sensation im deutschen Fernsehen. Der Clou von 4 Blocks ist so einfach wie bewährt: Gangster sind auch nur Familienmenschen, allerdings mit ziemlichen Problemen beim anger management. Wie viel Schaden das wieder anrichtet, kann man derzeit in Staffel zwei miterleben.

DAS FREMDE IST SCHON DA: Zum 50. Geburtstag von 2001 – Odyssee im Weltraum
Text – Georg Seeßlen

Fotografie – NASA / GSFC / METI / ERSDAC / JAROS
Ewige Wiederkunft oder stetes Fortschreiten? Kreis oder Linie? Nietzsche oder Laplace? Strauss oder Strauss? Mensch oder Maschine? 50 Jahre nach dem Kinostart von 2001 – Odyssee im Weltraum überstrahlen die Fragen noch immer alle Antworten zu Stanley Kubricks monolithischem Film. Auf bis heute unerreichte Weise wagte der Regisseur den Blick in die Zukunft und mutete die Unwägbarkeiten dieses Unterfangens auch seinem Publikum zu. Es folgt eine suchende Würdigung in vier Akten.

EINKLANG
Neues aus Musik, Film & Literatur

Chikiss, Suspiria, Peluché, P.A. Hülsenbeck, Public Practice, Abi Andrews, Serious Klein, Amanda Palmer & Jasmine Power, Lana Del Rey, Coen Brothers

KRITIKEN

Album der Ausgabe: Farai Rebirth

Außerdem Rezensionen zu The Good, The Bad & The Queen, Fred Thomas, Kurt Vile, Grateful Dead, Element Of Crime, Nao, Peter Licht, Colin Self, Thought Gang, Heather Leigh, J Mascis, Seinabo Sey, Kode 9 & Burial, Marie Davidson, Laibach, Klaus Johann Grobe, Empress Of, Mile Me Deaf, Heim, Euroteuro, Planningtorock, Barbara Morgenstern, Karies, Phosphorescent, Powell Tillmans u.v.a.

Present Shocks – Elektronische Musik zur Zeit mit Kristoffer Cornils
Gaye Su Akyol, R.A.N., Ah! Kosmos, Ipek Gorgun

XLII – von Diedrich Diederichsen
Asbjørn Blokkum Flø, Fofoulah, Catherine Christer Hennix

Gegenwartskunde – Pop-Welt mit Klaus Walter
Swamp Dogg, Haiyti, Prince

Punchzeilen – Rap mit Marcus Staiger
Haszcara, Bushido, Raf Camora & Bonez

Odyshape – Selten gehörte Musik mit Joachim Ody
David Hollander, Allen Ravenstine, Marc Ribot

Filmkritiken
Matangi / Maya / M.I.A., Here To Be Heard – The Story Of The Slits, Leto

Buchkritiken
Jenny Hval Paradise Rot, Leonard Cohen Die Flamme – The Flame, Dylan Jones David Bowie – Ein Leben

SPEX CD 146
Zusammenstellung – Dennis Pohl

Gestaltung – Patrick Klose

01. Euroteuro – „Kopf“
02. Mile Me Deaf – „Light LTD“
03. Georgia Anne Muldrow – „Overload“
04. Jens Friebe – „Herr der Ringe“
05. Serious Klein – „Voodoo Money“
06. Julia Holter – „I Shall Love 2“
07. Barbara Morgenstern – „Karriereleiter'“
08. Marie Davidson – „Work It“
09. Heim – „Tropisch“
10. Lonnie Holley – „I Woke Up In A Fucked-Up America"
11. Colin Self – „Foresight“
12. Heather Leigh – „Prelude To Goddess“

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