Spex Nr. 349 - Die Gebrüder Coen (November/Dezember 2013) - inkl. Spex CD #113

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Groove Ausgabe Juli/August 2016 Vinyl Special

TITEL: Die Gebru?der COEN
Ma?nner auf Irrfahrten – inside Ethan & Joel
ILLUSTRATION: Goetz Valien

ETHAN & JOEL COEN »Da prallen drei Hipsterschulen aufeinander, und alle hassen sich«
TEXT: Sonja Eismann
In einem Londoner Hotelzimmer arbeiten Ethan und Joel Coen geduldig einen nie versiegenden Strom von Interviewfragen ab. Sie sind dabei ganz uneitle Anti-Stars und erinnern mit ihrem casual look eher an College-Lehrer als an Oscar-pra?mierte Meisterregisseure. Ihre Bruderrollen spielen sie mit sta?ndigem Geben und Nehmen perfekt, ohne dass zwischen beiden jemals Hierarchie oder durch familia?re Na?he einreißende Respektlosigkeit zu spu?ren wa?re. Ethan, der Ju?ngere, bemu?ht sich mit freundlichem Lachen um ein angenehmes Gespra?chsklima, wa?hrend es dem drei Jahre a?lteren Joel weniger um Vermittlungsaspekte geht als um die Inhalte: um ironiefreie Zonen, Klaustrophobie, die 60s und das Großartig-Furchtbare im Folk.

INSIDE LLEWYN DAVIS Von den Launen der Go?tter getrieben
TEXT: Barbara Schweizerhof
Ein Meisterwerk der melancholischen Intensita?t: Mit Inside Llewyn Davis perfektionieren Ethan und Joel Coen ihre Kunst, zwischen Humor und Abgru?ndigkeit mit der Eleganz einer Langschwanzkatze herumzustolpern. Eine Verortung des im Dezember anlaufenden Films im irrwitzigen Coen’schen Gesamtwerk.

T BONE BURNETT »Ein Drahtseilakt, nur ohne Drahtseil« (Interview)
TEXT: Patrick Heidmann
Wer in Hollywood authentische Roots-Musik braucht, ruft bei T Bone Burnett an. Der Songschreiber hat in der Band von Bob Dylan gespielt, mit Roy Orbison, Elton John und zahlreichen anderen. Mit der Arbeit an Inside Llewyn Davis schließt sich fu?r Oscar-Preistra?ger Burnett ein Kreis: Seinen ersten großen Erfolg als Score-Komponist hatte er mit dem Coen-Bru?der-Klassiker O Brother, Where Art Thou?.

 

DANNY BROWN, EMINEM und DETROIT Last Man Standing
TEXT: Daniel Gerhardt   FOTOS: (Danny Brown) Annika Berglund
Detroit ist Amerikas ewiger Patient, seit Jahrzehnten treibt es die ehemals stolze Stadt von Tiefpunkt zu Tiefpunkt. Zu ihren wenigen individuellen Erfolgsgeschichten geho?rte zuletzt der Aufstieg des Rappers Danny Brown, der so lange mit seinem Status als HipHop-Sonderling haderte, bis er vollends in der Rolle aufging. Browns Werdegang vom Außenseiter zum Original erinnert an die ersten Karrierejahre eines weiteren Detroiter MC, der dieser Tage ebenfalls ein neues Album vorlegt. Mit The Marshall Mathers LP 2 versucht Eminem dem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit zu entgehen. Ein Kampf, den seine Heimatstadt in Browns Augen schon verloren hat.

FELA KUTI und LAGOS Sonnenaufgang in Afro-Metropolis
TEXT: Florian Sievers   FOTOS: Bernard Matussie?re (Fela Kuti), Yngve Leonhardsen (Lagos)
Fela Kuti gilt als der gro?ßte afrikanische Popstar aller Zeiten. Dieser Tage wa?re der Afrobeat-Erfinder 75 Jahre alt geworden. Eine Reise in seine Heimatstadt Lagos in Nigeria – die vermutlich energetischste Stadt des Kontinents.

Vorspiel für FELIX KUBIN »So eine Art Ohrwurmpenetration«
TEXT & MUSIKAUSWAHL: Arno Raffeiner   MUSIKAUSWAHL: Yves Borgwardt
Seine ersten ku?nstlerischen Forderungen stellte Felix Kubin zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle. »Ich mo?chte tausendmal Computerschlagzeug am Tag«, sang er als Teenager zu zackigen Synthesizerkla?ngen. Seither arbeitet der Hamburger in diversen Disziplinen an seiner Version eines Pop- und Kunstuniversums, das Bedeutung oft im scheinbar Sinnfreien sucht. Er verbannt Thomas Mann aus seinem Unterbewussten, lernt den ungarischen Komponisten und Musikethnologen Be?la Barto?k lieben und telefoniert stundenlang mit Alfred Hilsberg. In einer Zusammenarbeit von dessen Label ZickZack mit Kubins Gagarin Records erscheint nun das Album Zemsta Plutona, ein weiteres Kapitel im Gesamtkunstwerk Felix Kubin.

NILS FRAHM Meditieren an 88 Tasten
TEXT: Tim Caspar Boehme   FOTOS: Christoph Mack
Der Pianist und Produzent Nils Frahm vereint romantische Klaviertradition mit Minimalismus und elektronischer Musik. Im Konzert begeistern seine leisen Improvisationen ein weitgehend junges Publikum, in Frahms unter seinem Hochbett gelegenen Tonstudio sorgt u?ber Jahrzehnte erprobtes Analoggera?t fu?r Qualita?t. Ob er selbst spielt oder Kollegen aufzeichnet: Fu?r Frahm za?hlt vor allem der »eigene Ton«, wie er sagt.

PERERA ELSEWHERE All Music Is Black!
TEXT: Sonja Eismann   FOTOS: Martin Zellerhoff
Mit ihrer Band, dem in Berlin beheimateten, international aufgestellten Clubmusik-Trio Jahcoozi, zog Sasha Perera ab 2005 als aufgekratzt-angriffiger »Pure Breed Mongrel« durch Dancehalls, Technotempel und grimy La?den. Das erste Soloalbum der Londonerin mit sri-lankesischen Wurzeln setzt jetzt mit weird verhallten, abstrakt-minimalistischen Loops auf zuru?ckgelehntes Songwriting als Schockmoment und zeigt: Travelling Perera ist schon wieder ganz elsewhere.

SKY FERREIRA Nude As The News
??TEXT: Daniel Gerhardt   FOTO: Erez Avissar
Sky Ferreira hat eine grandios gescheiterte Teen-Pop-Karriere hinter sich, derzeit la?uft der Neustart als Model, Schauspielerin und sogenannte ernstzunehmende Musikerin. Im Mittelpunkt der Inszenierung steht diesmal das Bild einer Allround-Entertainerin, die das passende Video, Outfit oder Skanda?lchen zu jeder denkbaren Begebenheit liefern kann. Kurz vor Erscheinen ihres Debu?talbumsNight Time, My Time ist allerdings nicht mehr klar, wo die Show aufho?rt und der A?rger anfa?ngt. Sky Ferreira ko?nnte schon wieder zum Problem-Popstar werden.

COURTNEY BARNETT Reiten auf der Skateboard- Bong
????TEXT: Jacqueline Krause-Blouin FOTO: Lisa Sorgini

KWES Free Pop
?TEXT: Florian Obkircher

SOCIETY Schlachtplanlose Studiohocker
TEXT: Thomas Vorreyer

JUNGBLUTH Die eigenen Bedingungen
???TEXT: Hendrik Otremba   FOTO: Christian Protte

THE STRYPES Motown-Rock
TEXT: Torsten Groß   FOTO: Tinka & Frank Dietz

Sontextkritik: JUSTUS KÖHNCKE »Das Selbstgespra?ch«
TEXT: Klaus Walter

Kolumne: TAXI FÜR RÜTZEL Magische Momente in Sofia
TEXT: Anja Rützel   ILLUSTRATION: Patrick Klose

Kolumne: GOOD MORNING AMERICA Ach, wirklich?
TEXT: Steven Lee Beeber   ILLUSTRATION: Patrick Klose

Kolumne: POFALTE Detox
TEXT: Holger in't Veld  ILLUSTRATION: Patrick Klose

SPEZIAL: BIEDERMANN UND BRANDSTIFTER
Die neue deutsche Rechte

DEUTSCHLAND GANZ RECHTS Die konformistische Rebellion
TEXT: Patrick Gensing
Bei der Bundestagswahl kratzt die AfD an der Fu?nf-Prozent-Hu?rde. In Berlin-Hellersdorf sahnt die NPD mit Hetze gegen Flu?chtlinge mehr als zehn Prozent ab. Thilo Sarrazin ist salonfa?hig – und wa?hrend Politik und Medien vor neuen »Flu?chtlingswellen« warnen, fu?llen Frei.Wild mit bierseligem Identita?tsrock die großen Hallen. Alles nur isolierte Pha?nomene – oder Zeichen eines oft beschworenen Rechtsrucks der Gesellschaft?

JOHANNES RADKE »Es gibt eine schleichende Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas«
TEXT: Torsten Groß

FEINE SAHNE FISCHFILET »Ich hatte eine Axt in meiner Motorhaube«
TEXT: Torsten Groß   FOTO: Christoph Mack
Die deutsche Punkband Feine Sahne Fischfilet aus Greifswald engagiert sich seit Jahren gegen rechte Gewalt – und geriet dadurch ins Visier des Landesamts fu?r Verfassungsschutz. Ein Gespra?ch mit Sa?nger Jan »Monchi« Gorkow.

POPKULTUR

CLEMENS MEYER »Man schreibt gegen die Endlichkeit«
TEXT: Simone Schlosser   FOTOS: Albrecht Fuchs
Er gilt als der wilde Mann der jungen deutschen Literaturszene und stand mit seinem neuen Roman Im Steinauf der Shortlist fu?r den Deutschen Buchpreis. Clemens Meyer u?ber Prostitution, u?berflu?ssige Indie-CDs und sein Image als sogenannter Rebell.

RIVANE NEUENSCHWANDER Kommisarin der Kunst
TEXT: Dorothea Scho?ne 
Die konzeptionellen Arbeiten der brasilianischen Ku?nstlerin Rivane Neuenschwander sind in Malerei, Video, Skulptur und Installation ausgefu?hrt. Auffa?llig oft bescha?ftigen sie sich mit Spionage und U?berwachung. Mit Vorliebe involviert Neuenschwander ihre Zuschauer und macht sie zu Ermittlern ihrer Kunst. Und von der ersten Liebe wird nicht etwa ein kitschiges Gema?lde erstellt, sondern ein Fahndungsbild zur Ta?teridenti- fikation. Ein Portra?t.

Modegespräch mit MELISSA DRIER »Ich verstehe nicht, wie Kleidung heute weniger kosten kann als in meiner Kindheit!«
TEXT: Anne Waak   FOTOS: Sabrina Theissen
Melissa Drier ist seit 1986 die Deutschland-Korrespondentin der oft als »Modebibel« betitelten Women’s Wear Daily, dem wichtigsten Branchenblatt der Modewelt. Lange bevor irgendjemand Berlin auf der Karte hatte, kam sie in die Stadt, deren modische Entwicklung sie seitdem verfolgt. Das Interview mit der gebu?rtigen New Yorkerin Drier findet in einer Mischung aus Deutsch und Englisch statt, fru?hmorgens in einem Cafe? in der Na?he ihrer Wilmersdorfer Wohnung.

LITERATUR-Kritiken
Alexis de Tocqueville Fünfzehn Tage in der Wildnis, Dietmar Dath & Swantje Karich Lichtmächte. Kino – Museum – Galerie – Öffentlichkeit, Sasha Grey Die Juliette Society, Felix Scharlau Fünfhunderteins. Ein DJ auf Autopilot

Bilder, die die Welt bewegten: JFK
TEXT: Robert Defcon

 

FILM-Kritiken
The Act of Killing, Jenseits der Hügel, Blancanieves

KRITIKEN

Album der Ausgabe: ARCADE FIRE Reflektor

Glasser, Lucrecia Dalt, The Stranger, Son Lux, Jonwayne, Juana Molina, Vex Ruffin, Omar Souleyman, Jan Jelinek, Burkhard Stangl, Robert Glasper Experiment, Mountains of Tongues - Musical Dialects of the Caucasus, Blood Orange, Krohn Jestram Lippok, Heimatlieder aus DeutschlandNew German Ethnic Music – Immigrant's Songs From Germany Electronically Reworked, Messer, Kronos Quartett, Aheym, Pick A Piper, Clara Moto, Momus, Four Tet, Laurel Halo, Swearin', Kundekoenig, Grizzly Bear

Werke XIII – Willkürlich und anlassfrei zusammengestellt von Diedrich Diederichsen
Bill Orcutt, Krohn Jestram Lippok, Voigt & Voigt, R. Frank Pozar

Odyshape – Selten gehörte Musik mit Joachim Ody
Bruce Gilbert, Graham Bowers, Nurse With Wound, Arve Henriksen

Gegenwartskunde – Popwelt mit Klaus Walter
Lawrence, 

Punchzeilen – Rap mit Marcus Staiger
Sido, Fettes Brot, Mosh36

Direct Cuts – Clubmusik mit Holger Klein
Kirk Degiorgio, John Heckle, L.B. Dub Corp, Tessela, Objekt, Pearson Sound, Manix

 

1. Swearin’ »Dust In The Gold Sack«
2. tUnE-yArDs, ?uestlove, Angelique Kidjo + Akua Naru »Lady«
3. Blood Orange »Chamakay«
4. Son Lux »Alternate World«
5. Grizzly Bear »Will Calls (Marfa Demo)«
6. Messer »Die kapieren nicht«
7. Omar Souleyman »Warni Warni«
8. Juana Molina »Eras«
9. Laurel Halo »Ainnome«
10. Robert Glasper Experiment »I Stand Alone (feat. Common & Patrick Stump)«
11. Lucrecia Dalt 
»Mirage«
12. Fela Kuti »Everything Scatter«

PERSPEKTIVE

DIE RAKETE VON GAZA
TEXT: 
Nadia Saadi
Wie der Pala?stinenser Mohammed Assaf die Castingshow Arab Idol gewann, seine Landsleute in einen Freudentaumel versetzte und fast u?ber Nacht zum Botschafter des Friedens und Sprachrohr eines leidgepru?ften Volkes wurde – ein arabisches Ma?rchen.

DAS UNENDLICHE ECHOSYSTEM Ein Besuch beim Jerusalem Sacred Music Festival
?TEXT: Philipp Rhensius
Welche Macht hat Musik? Das Jerusalem Sacred Music Festival folgt dem idealistischen Ziel, kulturelle Gra?ben zu u?berwinden und die Integration verschiedener Glaubensrichtungen voranzutreiben. Bei einem Besuch in der ewigen Stadt konnte unser Reporter beobachten, wie die Utopie tatsa?chlich fu?r einige Momente Wirklichkeit wurde. Doch auch die alten Ressentiments und ideologischen Gra?ben wurden offenbar.

*

RÜCKBLENDE Man Or Astro-Man? Lido, Berlin
TEXT: Walter W. Wacht   FOTO: Eduardo Placido

AUSKLANG: OHNE TITEL, 2013. Exklusiv für SPEX von Julia Zange

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